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Bauernopfer für Hanau

Elf Menschen starben am Mittwochabend im hessischen Hanau durch das Attentat des 43-Jährigen Tobias R. Zunächst marschierte der Täter mit geladener Waffe in zwei Shishabars, wo er neun Menschen tötete. Danach ermordete er seine eigene Mutter, anschließend beging er Selbstmord. Die Waffe hatte er legal erworben, denn er besaß einen gültigen Waffenschein und war Mitglied in einem Jagdverein. Im Internet verbreitete Tobias R. zahlreiche Verschwörungstheorien und zeigte extrem rassistische Züge. Die Behörden seien im November auf ihn aufmerksam geworden. Wenige Tage vor dem Anschlag hatte R. noch ein Video im Internet hochgeladen, das an die Bevölkerung der USA gerichtet war. So weit die aktuelle Faktenlage.

Doch als wäre der Anschlag und der Tod von zehn unschuldigen Menschen nicht schon schlimm genug, wird der Anschlag zum politischen Spielball aufgedunsen. Der Täter Tobias R. wird als Rechtsextremist abgestempelt, der von rechten Gruppen zu seiner Tat ermutigt worden wäre. Fehlen darf dabei natürlich nicht das AfD-Bashing. So wird behauptet, dass die AfD durch ihre „rechtsradikalen“ und „rassistischen“ Äußerungen Mitschuld am Attentat von Hanau tragen würde. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnet die AfD als „politischen Arm der extremen Rechten.“ Und auch die (Noch-)CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer musste erneut zum Ausdruck bringen, wie wichtig eine Abgrenzung zur AfD sei. Auch die WerteUnion fällt dabei einigen Pöblern mal wieder zum Opfer. Ich empfehle einen Blick auf die offiziellen Profile in den Sozialen Netzwerken. Nach den Freimaurern oder den Juden sind nun also die konservativ-bürgerlichen Menschen für das Leid der Bevölkerung verantwortlich.

Allerdings entsprechen diese Behauptungen in keinster Weise der Realität. Der Attentäter R. war ein psychisch kranker Mensch. Er hinterließ der Nachwelt sein eigens angefertigtes Manifest. Darin beschreibt er Stimmen, die ihn seit seiner frühesten Kindheit begleitet haben sollen. Er behauptet, er sei sein gesamtes Leben lang von einer Geheimorganisation abgehört worden – er hätte nie ein Privatleben gehabt. Erfolgreiche Hollywood-Filme sollen durch seine Ideen entstanden sein, die ihm geklaut worden sind. Zudem sei Donald Trump ferngesteuert, indem ihm strategische Empfehlungen des Täters implantiert würden. Er fordert die Auslöschung ganzer Völker, unter anderem soll die deutsche Bevölkerung halbiert werden. Die Populatio der Erde soll von rund acht Milliarden Menschen auf 500 Millionen sinken. Ganz Afrika soll beispielsweise vernichtet werden. Dieser Mensch war ein Rassist durch und durch, keine Frage. Aber Rassismus ist keine politische Einstellung, sondern schlichtweg unmenschlich. Dass er von politischen Gruppierungen zu seiner Tat angestachelt worden sein soll, ist schlichtweg erfunden. Es gibt keinerlei Beweise, die auf eine Beziehung ins rechte Gefilde hindeuten. Ein alter Jahrbucheintrag über ihn, der zu seiner Schulzeit gemacht wurde, weist jedoch darauf hin, dass Tobias R. immer schon psychotisch aufgefallen sein soll.

Eine andere Sache schockiert mich im Fall Hanau aber auch noch. Seit Bekanntgabe des Attentats werden auf den Sozialen Medien zahlreiche Mitleidsbekundungen veröffentlicht. Auch die bereits genannten AfD und WerteUnion bekundeten ihr Beleid und ihr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Todesopfer. Was in den Kommentaren allerdings für hetzerische Parolen veröffentlicht werden, nimmt einem fast den Atem. Und die Diskussion, ob jene Gruppen überhaupt berechtigt sind, ihr herzliches Beileid kundzutun, weil sie angeblich für den Anschlag mitverantwortlich sind, ist an Perversion nicht zu überbieten.

Viel mehr müssen wir uns jetzt mit den Menschen solidarisieren, die die Opfer gekannt und jetzt verloren haben. Ihnen gilt nämlich unsere vollste Aufmerksamkeit. Solche schrecklichen Vorfälle sofort für politische Hetzkampagnen zu missbrauchen, ist weder die feine englische Art, noch in irgendeiner Form zu rechtfertigen. Der Hintergrund des Täters wird jetzt Stück für Stück ans Tageslicht kommen. Aber dafür sind die zuständigen Behörden verantwortlich und nicht die Sesselfurzer auf Facebook, Twitter und Co. Meine tiefe Trauer und mein herzliches Beileid sind an die Familien und Freunde der Todesopfer gerichtet …

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